16208 Lektürekurs

SoSe 17: Aischylos, Die Eumeniden

Sandra Erker

Hinweise für Studierende

Neben Studierenden der Klassischen Philologie ist die Veranstaltung auch für Studierende benachbarter Fächer und Gasthörer/innen mit und ohne Kenntnisse des Altgriechischen geöffnet, die allgemein an Literatur- und Theaterwissenschaft oder an der griechischen Tragödie bzw. Aischylos im Speziellen interessiert sind (vgl. unten und im Blackboard entsprechende Hinweise auf geeignete Übersetzungen, einführende Literatur und Kommentare). Bitte beachten Sie: Nach einer allgemeinen Einführung (Orestie, Metrik, Sprache, Literatur, Aufführungspraxis und Sondieren des Semesterplans) steigen wir gegen Ende der ersten Sitzung bereits in den Anfang der Eumeniden ein – bitte bereiten Sie daher entsprechend für die erste Sitzung die Verse 1-33 vor. Schließen

Kommentar

Mit der Orestie des Aischylos, die 458 v. Chr. an den Dionysien siegreich aufgeführt wurde, ist uns die einzige Tragödien-Trilogie der griechischen Antike überliefert - bestehend aus dem Agamemnon, den Choephoren und den Eumeniden –, zu der nur das sich ursprünglich anschließende Satyrspiel „Proteus“ verloren ist. In der überlieferten Trilogie werden die Geschicke des fluchbeladenen Hauses der Atriden zu drei Handlungen verarbeitet, die jeweils für sich als eigenständige Tragödien konzipiert, doch zugleich innerhalb der Trilogie in vielschichtiger Weise zu einem Gesamtkunstwerk verwoben sind. Bis heute ist die Begeisterung für Aischylos‘ Orestie ungebrochen, hat sich in zahlreichen Wiederaufführungen und Adaptionen niedergeschlagen; der Stoff wurde dabei immer wieder neu interpretiert (vgl. dazu Bierl 1998) und gilt doch gerade in der ursprünglichen meisterhaften Fassung des Aischylos nach wie vor als „von allen tragischen Werken, die wir aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. besitzen, [… ] das großartigste, das in seiner Vielschichtigkeit unüberbietbar ist“ (vgl. S. Föllinger 2009, 126) oder vielleicht sogar „the greatest work of dramatic art ever created“ (Gagarin 1976, 57). Dabei erlauben die Eumeniden zum Abschluss der Trilogie, in dem alle Fäden der vorangegangen Tragödien aufgenommen und mit der Diskussion um Schuld und Entsühnung Orests vor den Göttern und menschlichen Richtern neu reflektiert werden, einen spannungsreichen Blick auf die Trilogie insgesamt und haben die Forschung bis heute vor schwierige Fragen gestellt: Müssen die tragischen Handlungen aus den ersten beiden Teilen der Trilogie angesichts des Ausgangs in den Eumeniden neu überdacht werden? Welche Rolle haben politische, religiöse und ethische Überlegungen für das literarische Schaffen des Aischylos und insbesondere in den Eumeniden? Müssen wir die Einsetzung des Areopags durch Athene in den Eumeniden als politisches Statement des Aischylos deuten – und wenn ja, in welcher Weise? Hoch umstritten ist auch der tatsächliche Ausgang der Tragödie bzw. Trilogie: Darf Orest tatsächlich als entsühnt gelten und ist der Konflikt damit eindeutig gelöst? Bleibt die moralische Schuld weiterhin bestehen, obwohl Athene die rasenden Rachegöttinnen schließlich durch rhetorische Raffinesse in handzahme Eumeniden zu verwandeln weiß? Und warum ist eine solche Handlung mit einem solchen Ende überhaupt eine Tragödie? Die Lektüre der Eumeniden fordert den Leser (oder: Zuschauer) in besonderem Maße zu einem synoptischen und kritischen Blick auf die Orestie insgesamt heraus. In der Veranstaltung widmen wir uns der Lektüre der Eumeniden selbst, wobei uns immer wieder ein prüfender Blick zurück auf die ersten beiden Teile der Orestie begleiten wird. Verschaffen Sie sich daher bitte möglichst zu Semesterbeginn einen Überblick über Aufbau und Handlung der Orestie insgesamt und im Besonderen natürlich der Eumeniden, so dass wir leicht die Lektüre und fortschreitende Analyse der Eumeniden innerhalb der Trilogie kontextualisieren können. Veranstaltungsbegleitende Materialien und weiterführende Literaturhinweise werden im Blackboard wie üblich semesterbegleitend zur Verfügung gestellt. Schließen

Literaturhinweise

+++ KRITISCHE TEXTAUSGABE: Aeschyli Eumenides edidit Martin L. West, Stuttgart 1991 [oder auch: Aeschyli septem quae supersunt Tragoedias edidit Denys Page, Oxford 1972.] +++ KOMMENTAR: D. J. Conacher, Aeschylus‘ Oresteia. A Literary Commentary, Toronto/ Buffalo 1987; Podlecki A.J., Eumenides ed. with introd., transl. and comm., Warminster 1989; Sommerstein, A.H. (Hg.), Aeschylus, Eumenides, Cambridge 1989. +++ ÜBERSETZUNG: Bernhard Zimmermann (Hg.), Aischylos Tragödien, übers. von Oskar Werner, hg. von Bernhard Zimmermann, Mannheim 2011. +++ ZUR ALLGEMEINEN EINGFÜHRUNG EMPFOHLEN: Frank Bücher, Die Polis braucht ihre Poeten – Aischylos‘ „Eumeniden“ und die Reformen des Ephialtes, in: Hermes 138,3 (2008), 255-274; Lutz Käppel, Die Konstruktion der Handlung in der Orestie des Aischylos, München 1998 [darin zur Einführung bes. die Einleitung, 9-38]; Rainer Thiel, Chor und tragische Handlung im „Agamemnon“ des Aischylos, Berlin/ Boston 1993; Sabine Föllinger, Aischylos. Meister der griechischen Tragödie, München 2009 [darin zu den Eumeniden: 152-165]; Bernd Seidensticker, Das antike Theater, München 2010. +++ WEITERE HINWEISE: Braun, Maximilian, Die >Eumeniden< des Aischylos und der Areopag, Tübingen 1998; Lloyd, Michael (Hg.), Aeschylus, Oxford Reading in Classical Studies, Oxford 2006 [darin bes. die Aufsätze: E. R. Dodds, Morals and Politics in the Oresteia, 245-264; Colin Macleod, Politics and the Oresteia, 265-301; A. M. Bowie, Religion and Politics in Aeschylus’ Oresteia, 323-358]; Bierl, Anton, Die Orestie des Aischylos auf der modernen Bühne. Theoretische Konzeptionen und ihre szenische Realisierung, (Drama. Beiträge zum antiken Drama und seiner Rezeption, Beiheft 5), Stuttgart/Weimar 1998; Gagarin, Michael, Aeschylean Drama, Berkely/ Los Angeles/ London 1976. Schließen

13 Termine

Regelmäßige Termine der Lehrveranstaltung

Do, 20.04.2017 12:00 - 14:00

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