16234 Graduate Course

SoSe 17: HS Ovid, Heroides

Melanie Möller

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Mit den Heroides wird Ovid zum Schöpfer einer neuen literarischen Gattung: Die konsequent aus der Sicht der verlassenen Geliebten verfassten fiktiven Briefe an die abtrünnigen oder abwesenden Liebhaber bieten das eigentliche, psychologisch gewendete Gegenstück zu der genuin männlichen Perspektive der Amores. Es handelt sich um 21 Briefe, von denen einige in ihrer Echtheit umstritten sind. In den 15 Briefen des ersten Buches versuchen populäre, aber auch bekannte mythische Heldinnen, mit den ihnen eigenen sprachpoetischen Mitteln auf ihre Liebhaber einzuwirken. Dabei wird ein breites psychologisches Argumentationsspektrum geboten, eine Art Liebespanorama mit besonderem Akzent auf dem Medium der Schrift und dem Material des Briefes, wodurch die Trennung vom Partner für einen Moment kompensiert werden soll. Die Perspektiven reichen von der treuen Liebe Penelopes zum fernen Odysseus, der selbstzerstörerischen Leidenschaft der Dido für den abtrünnigen Aeneas über inzestuöse Liebesverhältnisse wie jenes der Ariadne-Schwester und Theseus-Geliebten Phaedra zu ihrem Stiefsohn Hippolytus und das der Canace zu ihrem Bruder Macareus, mit dem sie gar ein Kind hat – Stoffe, die zum Teil auch in anderen Werken Ovids verarbeitet sind. Kennzeichnend für die Mehrzahl der schreibenden Heroinen ist die Dimension des „future reflexive” (Barchiesi 2001, S. 105-127): Wiewohl durch die Stofftradition festgelegt und dem Leser in der Regel bekannt, bleibt das eigene Schicksal der Heldin selbst noch verborgen. Wunsch und Wollen der schreibenden Heldin stehen gegen den unerbittlichen Willen der literarischen Tradition. Im Seminar wollen wir uns die poetischen Verfahren der Heroides in kursorischer Lektüre erschließen und dabei vor allem schreibästhetische und psychoanalytische Theorien zu Rate ziehen. Auch Überlieferungsfragen und Konzepte von Autorschaft werden uns dabei beschäftigen. close

Suggested reading

Textausgabe: Ovid: Epistulae Heroidum, hg. v. Heinrich Dörrie, Berlin / New York 2012 (1971) Lektüre zur Einführung: Kennedy, Duncan F.: Epistolarity: the Heroides, in: Hardie 2002, S. 217-232

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